Wenn es einen Song gäbe,…

Kennst Du ihn? Den Inbegriff des zur Note gewordenen Ausdrucks Deines Innersten? Das ist der perfekte Song. Mein Song. Der Song, den ich gern geschrieben hätte.

Musik ist für mich einer der echtesten Ausdrücke von Emotion. Diese Art des Ausdrucks ist nicht unbedingt sehr ursprünglich, da Musik gewissen Regeln folgen muss, um in unserer Wahrnehmung zu funktionieren. Aber dennoch ist Musik ein Konstrukt, mit dem ich mich sehr leicht identifizieren kann. Weil sie übergeht in die Audio-Sphäre, weil sie mich berührt, explosiv ist und meinen Akku auflädt, meine Beine wippen lässt oder mich nachdenklich macht und mich den Tränen nahebringen kann. Sie deckt das ganze Spektrum der Emotionen ab.

Als Teenager hatte ich ein extrem enges Verhältnis zu dieser Kunstform und es gab keinen Tag, den ich ohne Musik auskommen konnte oder wollte. Ich habe sie gebraucht, um mich selbst zu finden, dem Alltag zu entfliehen oder mich wieder zurückzuholen. Die meisten Songs, die ich damals gehört habe, haben mich bis heute begleitet und sind ein wesentlicher Teil von mir geworden. Es sind Songs, die ich mit bestimmten Eindrücken und Erinnerungen verbinde, Lieder, die mir in die Magengrube fahren und mir ein dummes und breites Grinsen auf die Visage zaubern, während mich ein wohliger Schauer überkommt. Das sind meine Songs. Nicht, weil ich sie geschrieben hätte. Aber mit Sicherheit solche, die das ausdrücken, was ich unter Musik verstehe und was ich für die Ewigkeit festgehalten hätte, wäre mir so viel Talent in die Wiege gelegt worden wie den Idolen, von denen sie stammen.

Manchmal denke ich mich in seltsame Situationen hinein. Diese Zeilen sind aus einer solchen entstanden. Wenn es einen Song gäbe, den ich statt dem ursprünglichen Urheber hätte schreiben dürfen… Ein einziger Song, der meine Seele zu Tönen werden lässt. Welcher wäre das dann?

Mein Song wäre Money For Nothing von den Dire Straits. Aus verschiedenen Gründen:

Das Intro baut sich langsam auf. Unerträglich langsam. Erst ein Flüstern. Es muss sich erst durch die Stille kämpfen. Langsam. Aber stetig, wie der Wiederhall aus einer anderen Wirklichkeit, ehe das erste Wort verständlich wird. Wiederholung um Wiederholung, untermalt von einem aufziehenden Synthesizer-Gewitter. Leise und doch immer lauter heult und haucht Sting das Intro vor sich hin und kündigt den Song mit dem fulminanten und bekanntesten Schlagzeugintro dieses Planeten an. Und gipfelt in einem Feuerwerk aus einem Echo. Ein Echo, dessen Katharsis der einsetzende Gitarrenriff ist. Einen Moment lang ist er Omnipräsent und entlädt die aufgestaute Energie des Intros.

(Eine bessere Qualität hab ich leider nicht finden können)

Der Groove des Riffs, vom Bass begleitet, fährt mir bis in die kleinste Zelle meines Körpers. Mark Knopfler spielt es mit gewohnter Genialität zwischen Perfektion und Sleaze. Man hört förmlich die Fingerkuppen und -nägel beim Hybridpicking in seinem Stil (die Aufnahmequalität und Abmischung des ganzen Albums sind außerdem immer noch mit das Maß der Dinge). Und noch ehe sich die Gänsehaut gelegt hat, kündigen die Drums das fantastische Verse an, reißen mich aus dem Verse und werfen mich in eine Komposition aus Genialität. Der Song erzählt von der Unfähigkeit der Künstler der Generation MTV. Und beweist sie mit einer technischen Finesse für die Ewigkeit. Vom ersten Hauchen des Intros über den Refrain bis zum von Obertönen gespickten Fade-Out. Und weil die Genialität eines Mark Knopflers offenbar noch nicht reicht, teilt er sich die Vocals mit einem fantastischen Sting. Dieser Song und alles drumherum ist der Inbegriff der Genialität.

Wenn es also einen Song gäbe, den ich hätte schreiben dürfen. Das wäre er. Aber er wäre sehr dicht gefolgt von anderen Seelenstücken. Die Wahl ist mir nämlich wahrlich nicht leicht gefallen.

Und was ist mit Dir? Welcher ist Dein Song? Welchen hättest Du gern geschrieben?

Filmfan, Musikliebhaber, schwäbischer Sith-Akolyth und Hypetrain-Lokführer.

2 Comments

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