Warum Twitch und Let’s Plays der neue Fußball sind

Erst kürzlich hatte ich ein sehr interessantes Gespräch auf Twitter, wo jemand nicht nachvollziehen konnte, was Fans an Twitch, hitbox und Co. finden. Da drängte sich mir sofort der Vergleich zu Fußball auf. Und die Diskussion begann.

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Seit einigen Monden schon erfreuen sich der Livestreaming-Dienst Twitch und seine Artgenossen ähnlich großer Beliebtheit, wie Let’s Plays auf YouTube. Gamer oder vielleicht sogar Nicht-Gamer schauen anderen beim Zocken live über die Schulter. Was ist daran so toll? Und weshalb muss sich diese Form der Unterhaltung den Vergleich mit Fußball gefallen lassen?

Warum Twitch und Let’s Plays der neue Fußball sind

In meinen Augen geht es nicht immer um die pure Bewunderung des Könnens der Akteure. Manche schauen sich die Events lediglich aufgrund des Unterhaltungswerts an: Was wird geschehen? Wie reagieren die Protagonisten auf eine neue Herausforderung? Wie verhalten sie sich persönlich dabei? Wird es um Haaresbreite gelingen oder gibt es einen Erdrutschsieg? Wie wird das Publikum darauf reagieren?

Du merkst schon, wie neutral ich formuliere. Denn für Interessierte geht es im vorigen Absatz um Fußball. Oder das Schauen eines Streams. Oder eines Let’s Plays. Oder um alles, weil sie allen Veranstaltungen etwas abgewinnen können.

Mein Gesprächspartner erwiderte, es fehle die Stadion-Atmosphäre auf Twitch und hitbox. Das ist im direkten Vergleich natürlich richtig – und gleichzeitig wiederum nicht. Zwar fehlen grundlegende Rituale, wie die Anfahrt zum Stadion, die Fangesänge, die man live oder eben daheim auf dem Sofa miterlebt. Auch ist es im Stadion wohl halb so wild, wenn das Bier mal schal schmeckt. Das verstehe ich alles. Doch in einem gut besuchten Channel herrscht eine andere Art von Stadion. Ein virtuelles Stadion mit anderem Publikum. Ein Publikum, das ebenso Teil des Gezeigten wird, wie die Fans auf den Rängen eins werden mit ihrer Mannschaft und dem Spiel. Es gibt genauso Reaktionen und Interaktionen.

Die Zuschauer verschmelzen zur Arena neben der Arena

Abseits vom Spielgeschehen entwickelt sich im virtuellen Raum genauso eine Parallel-Arena, wie im Stadion. Die Zuschauer interagieren miteinander, kommentieren das Spielgeschehen, rufen mehr oder minder gut gemeinte Ratschläge aufs Feld und feiern sich selbst als Teil einer größeren Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Faible: Das Spiel. Oder die Mannschaft. Oder der/die/das Streamer. Oder Let’s Player. Die Fans sind Fans. Egal, ob sie auf Rängen stehen oder am Schreibtisch oder auf der Couch sitzen.

Fußballer, wie Gamer feiern eigene Riten und fühlen sich verschiedensten Institutionen zugehörig. Sei es nun Borussia Gronkh, FC Logitech, Battlefield 1860 oder VfL AMD.

Da ist es auch kaum verwunderlich, dass der Vergleich zum Fußball herhalten muss – nicht zuletzt, da Gaming-Events inzwischen nicht nur virtuelle Stadien füllen. Die Zeiten ändern sich und eine neue Generation wächst heran. Diese wird Livestreams auf hitbox und Twitch und Let’s Plays eines Tages weltweit aus den selben Gründen so populär machen, wie es vorige Generationen mit dem Fußball getan haben: Weil sie Spaß daran haben und weil es sie unterhält.

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Filmfan, Musikliebhaber, schwäbischer Sith-Akolyth und Hypetrain-Lokführer.

1 Comment

  1. Und wie solche Gaming Events Stadien füllen. Auf der Gamescom war die LoL Arena aufgebaut mit einer fetten Tribüne. Ich war total überrascht wie groß die war. Und für den Ansturm war sie viel zu klein, die Stationwarte haben niemanden mehr reingelassen. Ich habe Bilder auf meinem Blog davon.

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