Twitter: Followbacks und Selbstgerechtigkeit

Immer wieder stoße ich in meiner Twitter-Timeline auf die Ansicht, dass Accounts mit tausenden von Followern ja Grütze seien. Und dass sie bei einem neuen Follower nicht automatisch zurückfolgen. Ich frage mich, weshalb das Sinn machen soll.

Grundsätzlich steht es jedem absolut frei seine oder ihre Philosophie (Twittosophie.. HAHA! Sorry -.-) zu haben und den Account zu pflegen, wie er (wer mir mangelnde Political Correctness vorwerfen mag, darf sich das bitte sparen) es mag. Twitter ist (noch) ein freies Soziales Netzwerk, in dem jeder handelt, wie er lustig ist. Und das ist gut so und deshalb auch wichtig. Aber der Teufel steckt im Detail. In diesem Fall sogar in der Bezeichnung. Denn Twitter ist und bleibt in erster Linie ein Netzwerk. Manche, die so selbstgerecht genug sind und nicht über den Tellerrand des eigenen Accounts hinausblicken, scheinen das gerne mal zu vergessen. Natürlich ist es nicht jedermanns Ziel sich mit vielen Followern und Follows weitestmöglich zu vernetzen. Hand auf’s Herz: Das ist imho zwar irgendwie pointless aber auch legitim  – bis man einen Schritt weiter denkt.

Dieser nächste Schritt ist das Bewusstsein, dass man sich tatsächlich in einem abhängigen Netzwerk befindet. Abhängig, weil Twitter verhältnismäßig schwer zugänglich ist. Mit Leuten in den Dialog zu treten und Reichweite aufzubauen ist vor allem Arbeit, die auch Geduld erfordert. Deshalb ist der Einzelne von allen anderen abhängig: Nur durch Vernetzung finde ich weitere Accounts, die für mich interessant sind. Die eigentliche Suche von Hand ist hier zwar ein Ansatz, aber die wahre Stärke des Twitternetzwerks liegt in seiner Unmittelbarkeit. „Hier schau mal, @soundso kann Dir weiterhelfen.“. Auf diesem Prinzip beruhen (zumindest teilweise) auch die Retweets, denen man sich wiederum eher seltener verweigert.

Einsamer Held

Kurzum: Ein Netzwerk ist interessant (und bleibt es auch), wenn man sich aktiv vernetzt. In meinen Augen gehört ein Followback deshalb einfach dazu. Versteh mich nicht falsch, denn ich folge auch nicht jedem Werbeaccount, jeder stupiden Linkschleuder oder Leuten, die ausschließlich Selfies twittern automatisch zurück. Aber solange der Account irgendwelche Relevanz für die Vernetzung des Ganzen und natürlich für mich persönlich hat, folge ich zurück. Und wessen Tweets wirklich relevant oder interessant sind, landet auf gesonderten Listen, die ich extra angelegt habe, um den Überblick nicht zu verlieren. So einfach ist das. Und es funktioniert hervorragend.

Ich bin sogar so ehrlich und gebe auch gerne offen zu, dass ich Leuten entfolge, die mir entfolgen. Wenn ich (in einem Netzwerk!!!) nicht mehr relevant für jemanden bin, bin ich auch nicht bereit demjenigen weiter zu helfen und ihm zu folgen. Quid pro quo, Geben und Nehmen, liebes Twitter. Denn nur so kann ein Netzwerk voller Egos und ihrer Ergüsse dauerhaft funktionieren, das nicht nur von berühmten Persönlichkeiten und ihren Accounts genährt wird.

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Filmfan, Musikliebhaber, schwäbischer Sith-Akolyth und Hypetrain-Lokführer.

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