Spenden, Wunschlisten und Co: Dürfen Streamer das?

In den USA Usus, hierzulande oft verpönt? Livestreamer rufen in ihren Twitch und Hitbox Profilen für Spenden auf. Ist das legitim? Und darf ich das auch? Ein paar Gedanken.

Seit mein SWTOR-Raid kürzlich auseinandergebrochen ist, sind 3 Abende in der Woche nicht mehr fest verplant. Da ich in letzter Zeit großen Gefallen an Livestreams gefunden habe, kommt mir das auch irgendwie gelegen und ich kann mich diesem Thema etwas mehr widmen. Selbst wenn ich persönlich kein Interesse hätte (was ich aber sowas von habe!), müsste ich mich als Affiliate-Mensch im neuen Job damit auseinandersetzen. Hier geht es mir im Detail um Eure Wahrnehmung: Was denkt Ihr, wenn Ihr seht, dass ein Streamer Spenden sammelt? Für einen Händler wirbt um Provision einzustreichen? Seine Spiele-Wunschlisten veröffentlicht? Ist das alles legitim oder unverschämt? Meine Gedanken dazu fasse ich am Ende des Artikels zusammen.

Doch bevor ich ins Detail gehe, möchte ich klarstellen, dass dieser Artikel von mir stammt – und für mich ist. Auch wenn ich bei Gamesrocket für das Affiliate-Programm zuständig bin und es ausbauen soll, dienen diese Zeilen der Sortierung meiner Gedanken und Meinungsfindung – denn Deine Meinung interessiert mich aus vielen Gründen sehr. Mein Arbeitgeber hat das hier nicht initiiert oder weiß auch nur davon. Mir geht es nicht ums Anwerben, Werbung oder ähnliches. Hier geht es um das Thema und auch um mich als Streamer. Aber wenn Ihr trotzdem Bock habt, habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. So ehrlich will und muss ich sein.

Affiliate-Partnerschaften

Hierbei handelt es sich (vereinfacht) um ein Netzwerk – in der direktesten Beziehung zwischen einem Händler und einem Partner. Der Händler bietet den Partnern verschiedene Möglichkeiten teilzunehmen, wie z.B. über Banner oder einfache Direktlinks. Diese sind mit einem sogenannten Referer versehen. Einer Art Kennzeichen in der Verlinkung. Wer auf den Link oder das Banner klickt, wird zum Händler geleitet. Wer so beim Händler einkauft, unterstützt den Partner. Der bekommt nämlich Provision für jeden abgeschlossenen Kauf. Eine Win-Win-Situation für beide Parteien.

Habt Ihr schon jemanden über solche Käufe unterstützt? Oder als Streamer sogar selbst Links platziert? Was haltet Ihr von dieser Art der Unterstützung?

Spendenlinks und Wunschlisten

Eine offensichtlich viel direktere Art der Unterstützung sind Spendenlinks diverser Anbieter. Wer will, öffnet den Link und den Geldbeutel und lässt was für den Streamer springen: Geld. Eine andere, ebenfalls direkte Möglichkeit ist die des Schenkens: Über Steam, Amazon und Co. lassen sich Wunschlisten erstellen und mit anderen teilen. Die Liste mit Sehnsüchten oder Notwendigkeiten (für einen besser Stream z.B.) ermöglicht es dem Zuschauer direkt einen Wunsch zu erfüllen – einen Wunsch des Streamers. Sei es ein neues Game, das vielleicht gestreamt werden soll, ein neues Headset, Mikrofon, oderoderoder.

Was haltet Ihr von Spenden dieser Art? Schon mal gemacht? Oder aus Prinzip nicht? Und warum?

Spenden für Streamer – Was ich davon halte

Wie bereits erwähnt, verdiene ich seit kurzem meine Brötchen mit diesem Thema. Daher mag man mir vorwerfen die Geschichte in einem entsprechend vorteilhaften Licht erscheinen zu lassen. Aber stünde ich nicht hinter dem Thema und wäre nicht davon überzeugt, hätte ich die Stelle gar nicht erst angenommen. Erst recht nicht, wenn die Firma mit dubiosen Keys und Angeboten handeln würde – aber das ist ein anderes Thema. Demzufolge spiegeln die Zeilen hier meine persönliche Ansicht wider.

Ich sehe nichts verwerfliches daran, wenn Streamer und YouTuber sich auf diese Weisen unterstützen lassen. Warum auch? Trotz der Tatsache, dass die Leute, denen man über die Schulter schaut, ihrem Hobby nachgehen, ist dieses mit teils erheblichen Aufwand verbunden. Die Software will eingerichtet und angepasst, Grafiken erstellt, Profile gepflegt und Leute unterhalten werden. Und das ist der springende Punkt: die Zuschauer. Viele erwarten Regelmäßigkeit und vielleicht sogar ein gewisses Maß an Präsentations-Niveau. Das dürfen sie auch, keine Frage. Doch all das führt zu einer Art Bringschuld. Der Streamer muss dem mehr oder weniger Folge leisten. Und schon sind wir wieder beim Aufwand und den entsprechenden Kosten.

Gerade wenn mittels Zuschauer-Unterstützung Neuanschaffungen und besseres Equipment abgedeckt werden, sind solche Möglichkeiten absolut legitim. Streamer und YouTuber bieten einen Unterhaltungsservice, der nur zu gern in Anspruch genommen wird. Ist ja schließlich kostenlos. Und natürlich ist es vollkommen legitim diesen Service kostenlos in Anspruch zu nehmen. Der Zuschauer sollte aber die Wahl haben, ob er/sie dem Entertainer nicht vielleicht doch etwas zurückgibt, weil er so auf Spiele aufmerksam wurde, die durchs persönliche Raster gefallen wären, weil ein paar Tricks und Tipps abgeschaut werden konnten – oder vielleicht ganz einfach, weil man eine gute Zeit hatte und bestens unterhalten wurde. Je nach Couleur soll der Zuschauer die Wahl haben, ob er sich über das „Danke für den tollen Stream“ im Chat hinaus erkenntlich zeigen will. Wenn ja, gut. Wenn nicht, auch gut.

Was hingegen ein gewisses Geschmäckle hat, sind Wettbewerbe. „Ab Spendensummen über XY gibt es dies und das.“ / „Die höchste Einzelspende stammt von soundso (und landet irgendwo einsehbar in einem Ranking).“ Das hat einen etwas seltsamen Beigeschmack. Sicher, niemand wird gezwungen den Geldbeutel aufzumachen und manch einer sieht den eigenen Namen gerne irgendwo als größter Unterstützer stehen. Doch weniger ist in meinen Augen in dieser Angelegenheit einfach mehr. Niemand hat etwas davon, wenn Unterstützung zu einem Wettbewerb ausartet – außer der Streamer selbst natürlich. Die Angelegenheit wird dadurch irgendwie pietätlos und lässt Kritik zu. Denn nicht jedes Elternteil sieht es gern, wenn den Kiddies das Geld so aktiv aus der Tasche gezogen wird.

Da finde ich ein bisschen Bedecktheit wesentlich würdevoller für alle Beteiligten. Man rennt ja auch nicht aus dem Elektronikmarkt und lässt sich vom Kassierer hinterherrufen „der hat gerade einen Fernseher für 2.600 Euro gekauft! Geil, Mann, Danke!“ (oder ruft es gar selbst).

Ich nage nicht am Hungertuch, habe aber kein unbegrenztes Budget für Spiele – und erst recht nicht für teure PC-Komponenten. Daher nehme ich mir die Freiheit und ergänze mein Hitbox-Profil in Kürze um solche Möglichkeiten. Wer spendet oder mich unterstützt, kann sich meines aufrechten Dankes gewiss sein. Wer nur zuschaut und Spaß mit mir hat, ist mir aber genauso wichtig.


 

Wer bis hierhin gelesen hat, darf sich dann auch tatsächlich über das Gamesrocket Affiliate-Programm informieren 😉

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Filmfan, Musikliebhaber, schwäbischer Sith-Akolyth und Hypetrain-Lokführer.

4 Comments

  1. Hey Tibor,
    ist eine durchaus berechtigte Frage, die du stellst. Ich hatte da vor einiger Zeit im TeamSpeak von TeamPizza nen guten Diskussionsaustausch.

    Für mich stellt’s erstmal kein Problem dar. Bis zu einer gewissen Grenze: Spendenziele als auch Wunschlisten sollten im direkten Zusammenhang mit dem Angebot für die Zuschauer stehen. Ein neues Gamepad, damit der bärtige Herr seine Plattformer-Spielchen nicht mehr mit Tastatur zocken muss? Voll gut! Ein vernünftiges Mikrofon, weil die Headset-Lösung nur einen minderwertigen Klang liefert? Ab dafür! Aber alles, was überhaupt so garnichts mit dem Streamen zu tun hat, halte ich für wenig stilvoll. Leider sind viele Leute anfällig für sowas – und würden sich wahrscheinlich noch den nächsten Strandurlaub finanzieren lassen (von dort gibt’s dann vielleicht ein Vlog-Video, wegen der „Fairness“..).

    Der verantwortliche Umgang ist wichtig. Es muss für mich absolut nachvollziehbar sein, wofür da die Euronen entlockt werden.

    Persönlich wäre ich mir nicht sicher, inwiefern ich erhaltene Spenden in einen Stream verpacken würde. Namentliche Nennung? Festhalten in Form eines Overlays oder einer kurzen Einblendung? Liste führen? Das hat für mich alles irgendwie wenig Charme – insbesondere, wenn’s „technisch abgefrühstückt“ wird (mittels Scripts oder Plugins). Es sollte halt nicht zu einer lauten Parade werden, bei der am Ende nicht mehr nach außen dringt, um was es eigentlich geht.

  2. Affiliate ist für mich tatsächlich die beste aller Werbeformen. Die Links gehen einem nicht auf den Keks (man kann es natürlich auch hier übertreiben) und wenn mir eine Seite / Stream gefällt, dann ist ein Kauf darüber auch kein Mehraufwand (in Form von mehr Kosten) für mich.

    Spenden sind ebenfalls eine gute Werbeform. Auch mögliche Abos für Werbefreiheit sind bei mir immer willkommen. Wobei auf Webseiten dann für das jeweilige Abo auch noch ein zusätzlicher (neben werbefreiheit) Mehrwert gewährleistet werden muss.

    Die Darstellung von Spenden ist für mich kein Problem. Es ist eine nette Geste die Spender aufzulisten und suggeriert für mich keine Rangliste und provoziert auch kein „warum spendest du nicht auch?“.

    Wer richtig und viel streamt, der macht das ja auch nicht als Hobby, sondern als Hauptberuf und der muss finanziert werden. Beim Streaming geht das noch am besten über Spenden und Affiliate, weil das Geld direkt beim Streamer ankommt.

    Stretchgoals sehe ich wie bei Kickstarter-Projekten oder ähnliches einfach als nette Anreize mit einer zusätzlichen Gegenleistung. Schlussendlich ist es alles ein „Kann“ und kein „Muss“ (auch nicht implizit).

    Ich würde dem Spender immer die Wahl lassen, ob er namentlich in einer Art „Hall of Fame“ genannt werden möchte oder nicht. Wer möchte, erhält seinen Platz dort und alle anderen freuen sich, dass sie geholfen haben.

  3. Dem Diskussionswunsch auf Twitter komme ich gerne nach.

    Ich finde die Form der Danksagung als Spende in Ordnung. Allerdings finde ich den Trend Streams aus diesem Grund zu starten, oder damit zu finanzieren für völlig Kontraproduktiv. Wie komme ich denn bitte auf die Idee für mein Hobby Geld oder Sachleistungen zu bekommen? Der Antrieb sollte in meinen Augen ausschließlich der Spaß am Teilen sein und nicht eine Art „fishing for compliments“ in Form von monetärem Wert. Auch nicht wenn das, das Equipment verbessert.

    Geld entlocken weil man sein Hobby aus Spaß präsentiert? Dienstleister oder Gamer als Hobby. Entscheiden und dementsprechend eindeutig und unmissverständlich darstellen. Aber als Hobby zeigen und dann einen Spendendruck erzeugen? – halte ich für falsch.

  4. JA, Streamer dürfen ihren Zuschauern die Möglichkeit geben über Spenden, Wunschlisten und Co. ihrer Unterstützung Ausdruck zu verleihen.

    Ich meine, dass wir uns ja bei Straßenmusikern auch nicht aufregen, wenn sie den Hut herumreichen … vorausgesetzt, dass Musik auch passt … und wenn nicht, dann muss man ja auch nichts geben.

    LG aus Österreich, LuckyLIVE

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