Kino Rant: Wie sich die Filmindustrie selbst abschafft

Die großen Abenteuer dieser Welt schreibt zwar das Leben, aber zu sehen gibt es sie im Kino. Doch die Filmindustrie schafft sich langsam aber sicher selbst ab. Mein Film- und Kino-Rant.

Kinobetreiber und Filmverleihe

Wie könnte so ein Blogartikel auch anders beginnen als mit „ich war kürzlich im Kino“…? In diesem Fall ist das tatsächlich keine Floskel. Gesehen habe ich Avengers 2: Age of Ultron. Und zwar mit meiner besseren Hälfte. In 3D. Weil der Film in der Stadt nicht in 2D zu sehen war. Allein diese Tatsache ärgert mich. Mal völlig ausklammernd, dass es nur wenige Filme gibt, denen die dritte Dimension einen echten Mehrwert verleiht, macht das den Film in erster Linie auf mehreren Ebenen schlechter. Angefangen beim Bild, weil die Polfilter-Brillen sehr viel Helligkeit schlucken bis hin zu der Tatsache, dass ich in meinem zunehmenden Alter bei zu hektischen Großaufnahmen nicht mehr realisiere, was gerade auf der Leinwand passiert (wer Transformers 3 in 3D im Lichtspielhaus gesehen hat, versteht vielleicht, was ich meine). Mir als Schwabe stößt es artgerechter Weise besonders sauer auf, dass Filme in 3D elends teuer sind. Noch teurer als die ohnehin schon teuren Preise für 2D Tickets. Und dann haste noch kein Popcorn/Naschwerk oder auch nur Getränke dazu und hast nicht geparkt. Zu zweit (von Familien gar nicht zu sprechen) ist man an einem Kinoabend schnell mal 40 oder mehr Ocken los. Und dann kriegt man gerne mal einen Ton geboten, der unter aller Sau ist und nicht einmal mit der heimischen Soundanlage mithalten kann. Nicht einmal bei der Lautstärke.

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Liebe Kinobetreiber und Filmverleihe, kann es sein, dass Ihr in die falsche Richtung denkt, wenn Ihr Euch fragt, weshalb das „Erlebnis Kino“ immer seltener in Anspruch genommen wird? Die Preise sind gefühlt nämlich mit Sicherheit nicht zurückgegangen – weder bei den Tickets, noch bei allem anderen, was im Filmpalast angeboten wird. Mit Verlaub, da darf man sich wirklich nicht wundern, weshalb die Leute seltener ins Kino gehen und es sich stattdessen daheim auf der Couch gemütlich machen und Netflix und Co. durchforsten. Mit dem Lieblingsbier und Chips in der Hand, die im Vergleich zur Verköstigung im Kino so viel günstiger sind, dass man meinen könnte, sie stammen nicht aus dem Supermarkt, sondern seien vom Laster gefallen. Filmfan hin oder her… wie soll man sich denn regelmäßige Kinobesuche leisten können? Ich würde nämlich gerne wesentlich öfter ins Kino und mehr Filmen eine Chance geben, doch irgendwie hat man alles schon mal gesehen.

Dasselbe Gericht, verschiedene Namen

So auch bei besagtem Age of Ultron. Ist Euch eigentlich aufgefallen, dass große Teile des Films (und vor allem das Ende) der Blaupause des Vorgängers entsprachen? Auch hier gab es jede Menge Trash-Viecher, die eine Lokalität bedrohten. Dieses Mal war es keine Großstadt, sondern ein Dorf in wer-erinnert-sich-schon-wo, in dem es vor wuseligen Gegnern nur so wimmelte. Die haben die nicht gottgleichen „Superhelden“ ebenso benötigt um gegen den Hulk, Thor und Co nicht ganz so abzustinken, wie in Teil 1. Dramatischer wurde der Showdown lediglich dadurch, dass ein Versagen der Helden die ganze Welt bedroht hätte. Wait a minute…

Worauf ich anhand des Beispiels hinaus will ist, das originelle Ideen Mangelware geworden sind. Und echte Geschichten ebenfalls. Landet man zufällig einen Treffer beim Publikum, wird das Prinzip einfach kopiert und über etliche Sequels, Prequels, Reboots (teils nach wenigen Jahren, siehe Spider-Man) oder Nachahmungen gestülpt. Ich hab davon eigentlich ziemlich die Schnauze voll. Zwar unterhalten mich auch Superhelden-Filme, wenn sie über Charme und Vision verfügen (Avengers, Iron Man 1, Dark Knight Rises), doch sehen will ich die nicht jeden Tag. In erster Linie möchte ich Geschichten und Charaktere sehen. Egal in welchem Gewand. Und kein Art-Design, um das ein „Film“ drumrum geschrieben wurde. Ich möchte eine Hommage an Klassiker sehen, ich wünsche mir, dass der Film Noire neu erfunden wird. Ich flehe das Fliegende Spaghettimonster an, dass es Dramen zu sehen geben wird, über die in 100 Jahren noch gesprochen wird, wenn man sich nach Spider-Man 666 daran erinnert, welche Bedeutung Der Pate hatte. Oder meinetwegen auch Star Wars für die Popkultur und die Massen. Egal was, Hauptsache bleibende Eindrücke und bewegende Filmmomente für die Ewigkeit. Stattdessen ein lauer Aufguss und Teenie-Streifen mit austauschbaren Teenie-Stars nach dem anderen.

Heute nimmt sich fast nur noch das Serienformat die Zeit eine Geschichte zu erzählen, Charaktere zu entwickeln und in Häppchen zu verpacken. Natürlich ist beim Format Serie auch viel mehr Gelegenheit dafür vorhanden. Doch sprechen wir in 30 Jahren genauso über die Filme von heute, wie wir heute von den Filmen von vor 30 Jahren sprechen? Eben. Alles muss schnell gehen, leicht verdaulich und einfach konsumierbar sein. Der Film bleibt unter seinen Möglichkeiten und vergisst, was ihn groß gemacht hat. Und ins Kino kommt zum überwiegenden Teil nur das, was die Massen anlockt, um überhaupt rentabel zu sein und die teils aberwitzigen Marketing-Budgets wieder rein zu holen, die die Studios ausgeben um den Film zu hypen. Ja braucht ein Hollywood Beaux wirklich 100 Millionen Gage für einen Film von der Stange? Täten es nicht auch bescheidene 20 Millionen? Oder 10? Stattdessen könnte der Filmverleih doch auch die Zügel locker lassen und den Kinobetreibern die Knebel lockern um günstigere Ticketpreise zu ermöglichen.

Aber vielleicht bin ich ja auch einfach zu naiv.

 

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Filmfan, Musikliebhaber, schwäbischer Sith-Akolyth und Hypetrain-Lokführer.

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