Intensiv: Die packendsten Film-Momente

Inzwischen ist wohl durchgedrungen, dass ich ein Film-Fan bin. So habe ich Laufe meines Daseins viele Streifen gesehen, die die verschiedensten Eindrücke bei mir hinterlassen haben. Hier geht es heute um einige der  intensivsten Momente aus Filmen, die ich gesehen habe.

Doch zunächst eine kleine Begriffs-Erklärung…

Was sind intensive und packende Momente?

Jeder hat verschiedene Ansprüche an Filme und nimmt sie unterschiedlich wahr. Dem einen gefallen Hollywood-Blockbuster, der andere sucht den Anspruch oder eine Kombination aus gewaltigem Inhalt und fantastischer Optik. Mir geht es hier um die emotional packendsten Augenblicke. Momente, die wie ein Schlag in die Magengrube lasten, die Kehle zuschnüren, Spuren hinterlassen und den Zuschauer auf irgendeine Weise nachhaltig berühren. Szenen, die in Erinnerung bleiben, selbst wenn man sich an den Rest des Films nicht mehr so genau erinnern kann.

Denn in meinen Augen ist das ein wichtiger Punkt, den Filme immer wieder vernachlässigen: Nachhaltigkeit. Shots, die zu Kino-Geschichte werden. Viele Regisseure versuchen es, wenige davon sind wirkliche Filmemacher und nur ein Bruchteil davon versteht es dem Zuschauer eine Saat mitzugeben. Eine Saat, die unerwartet sein kann, überraschend, emotional, oder in völligem Kontrast zum restlichen Film. Diese Momente sind es, die Kino definieren. Diese Momente bleiben uns ein Leben lang, nachdem sie gesät wurden. Sie wachsen und reifen zu Begeisterung heran.

Ich habe in meinen Erinnerungen und in meiner Filmsammlung gekramt und Euch einige meiner Allzeit-Favoriten rausgesucht. Da mir das viel Spaß gemacht hat, hoffe ich, dass Euch meine Eindrücke auch Freude bereiten. Vielleicht mache ich ja eine ganze Reihe daraus. Lasst mich in den Kommentaren wissen, was Ihr denkt.

Doch seid gewarnt: Wer hier weiterliest (und schaut) wird nicht nur gespoilert, sondern sollte sich auch auf derbe, schwer verdauliche und teils brutale Ausschnitte gefasst machen.

Die packendsten Momente meiner Filmgeschichte

Den Beginn macht eine der einprägsamsten Szenen, die mich wirklich baff gemacht hat: In der Verfilmung von Stephen Kings Kurzgeschichte Der Nebel finden sich fünf Menschen in einer ausweglosen Situation wieder. Und mit ausweglos meine ich ausweglos: Die Gegend wurde von Viechern überrannt, die allem nach dem Leben trachten, was einen Puls hat, etliche Ausnahmesituationen sind überstanden und liegen hinter den Akteuren. Mit einer letzten Tankfüllung suchen die Protagonisten, bewaffnet mit einem Revolver und vier Patronen, das Ende des Nebels… bis der Sprit ausgeht und sie entdecken, dass die Bedrohung noch viel größer ist, als sie angenommen hatten. Was tun? Was tun, wenn man dem Sohn versprochen hat, dass die Viecher ihn nicht in die Finger bekommen werden? Was tun mit zwei Rentnern auf dem Rücksitz? Was tun ohne Hoffnung, während man kaum die Hand vor Augen sieht und jede Sekunde qualvoll zerfetzt werden könnte?

Eine zwar nicht ganz logische aber nachvollziehbare Lösung gibt das Ende des Films an die Hand. Harte Kost. Vor allem die darauffolgenden Augenblicke. Großartig in Szene gesetzt und fantastisch gespielt! Die Musik dabei ist so dick, wie der Nebel, der die Menschen umgibt und tut ihr Übriges zu diesem äußerst beklemmenden Finale.

Ein weiterer meiner liebsten Filmmomente stammt aus der Neuverfilmung von Die Fliege unter Davi Cronenberg mit Jeff Goldblum in der Hauptrolle. Seth Brundle, genialer Wissenschaftler und Großstadt-Einsiedler experimentiert mit Teleportationskammern und wird Opfer eines Selbstversuchs. Da sich eine gewöhnliche Stubenfliege in die selbe Kammer verirrt, aus der er sich in die nächste beamen will, setzt sein Computer ihn und die Fliege zusammen. Das führt dazu, dass er im Laufe des Streifens mehr und mehr seine menschlichen Züge und auch seine Menschlichkeit verliert. In einem verzweifelten Versuch den Verfall aufzuhalten versucht er seine Freundin mit sich selbst zu verschmelzen um in einem gemeinsamen Körper aus Fliege, Professor Brundle und Freundin weiterleben zu können. Klingt banal, ist aber hervorragend umgesetzt – und zwar nicht nur die Maske.

Denn es kommt wie es kommen muss, die Rettung der Unschuldigen geschieht in letzter Sekunde und es kommt zur Katastrophe: Von Seth Brundle bleibt ein sterbender, kriechend-zuckender Fleischklumpen übrig, der offenbar alles ist, nur kein Mensch mehr. In diesem Moment offenbart sich, dass das Wesen doch anders ist, als der Anschein erweckt – mit einer simplen Geste. Fantastisch!

Noch nicht genug? Gut! Auch wenn die bisherigen Szenen allesamt recht blutig sind, sei Dir versichert: Es geht auch anders. Neben dem Schrecken des Todes packen uns auch Momente der aufgelösten Erniedrigung. Augenblicke, in denen das Hinsehen schwer fällt. Einer davon entstammt Jim Carroll – In den Straßen von New York mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle. Das auf einer Autobiografie basierende Werk zeigt den Absturz eines Schülers und das Hinabgleiten in den Drogensumpf New Yorks. In dieser Szene kehrt Jim zu seiner Mutter zurück um sie um Geld zu bitten.

Die Angst vor dem Unberechenbaren löst auch tiefe Emotionen in uns aus. Wie verhält man sich gegenüber jemandem, der im einen Augenblick ein ganz gewöhnlicher, ja vielleicht sogar umgänglicher Typ ist, im nächsten Moment jedoch die Mordlust in den Augen und schon mehrere Kerben auf dem Opferholz vorzuweisen hat? Joe Pesci und Ray Liotta zeigen es uns in einer launigen Szene aus dem Mafia-Epos Goodfellas. Bedenkt man, dass die Szene zum Großteil improvisiert ist, muss man nicht nur vor Regisseur Scorsese den Hut ziehen sondern sich auch vor Joe Pesci und Ray Liotta verneigen.

Der nächste Schlag in die Magengrube entstammt aus Stephen Spielbergs Monumental-Kriegsfilm Der Soldat James Ryan. Und nein, ich spreche nicht von der angespannten Szene im Landungsboot am D-Day, sondern von der Inszenierung dessen, was der Krieg aus Menschen machen kann. Ein US-Soldat wird im Häuserkampf Zeuge, wie einer seiner Kameraden nach einem Faustkampf um Leben und Tod von einem Wehrmachts-Soldaten langsam und beinahe schon fürsorglich und mitleidvoll aber bestimmt mit dem Messer erstochen wird. Einfach weil man das im Krieg so macht. Man mag über Spielbergs Art Geschichten zu erzählen denken, was man will. Aber die Intensität des Kampfes und der letzten Momente des Kameraden, während der Zeuge wie gelähmt nur zuhören kann und trotzdem genau zu wissen scheint, was einen Raum weiter geschieht, ist beispiellos gut.

Das letzte Beispiel aus der Riege der Kriegsfilme stammt aus Full Metal Jacket. Was der inzwischen leider verstorbene Altmeister Stanley Kubrick hier auf Film gebannt hat, hätte einen eigenen Intense-Moments-Blogbeitrag verdient. Denn der Film ist nämlich voll davon. Reihe um Reihe reiht sich ein Kloß im Hals an den anderen. Einer, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist die Bestrafung des Private Paula durch seine Kameraden. Diese müssen nämlich ständig sein Versagen ausbaden. Also entschließen sie sich des Nachts ihrem Frust freien Lauf zu lassen. So auch Private Joker, der sich eigentlich um ihn kümmern soll. Ins Mark gehen besonders die letzten Sekunden des Gezeigten. Dieses Nachhallen…

Einen weiteren Klassiker und einen meiner Lieblingsfilme kann und darf ich nicht außer Acht lassen: Coppolas Adaption von Der Pate ist zurecht ein Meilenstein der Film-Geschichte. Das Familiendrama im Rahmen einer Mafia-Story ist einfach brillant geschrieben und in Szene gesetzt. Besonders bemerkenswert ist in meinen Augen der Auslöser der Geschehnisse: Sonny lässt vor Sollozzo in einem Anflug von leichtsinniger Hitzköpfigkeit durchblicken, dass die Familie uneins übers Drogengeschäft ist. Die Entwicklungen nehmen ihren bekannten Lauf. Diese führen Michael, gespielt von Al Pacino, in ein Restaurant, in dem er Sollozzo und den Polizeichef umbringen soll. Diese Augenblicke, bevor er aufsteht um zum Schuss anzusetzen sind Coppola und Pacino unglaublich gut gelungen. Während Sollozzo auf ihn einquasselt und den Mord an Michaels Vater als „nur Business und nicht persönliches“ rechtfertigt, kann man förmlich nachfühlen, welche Gedanken dem jungen Corleone durch den Kopf schießen. Augenblicke, bevor der Kriegsheld zum gewöhnlichen Mörder wird, rast der Puls, der Straßenverkehr wird zum ohrenbetäubenden Lärm, bis sich all die Wut und Angst aus dem Revolver in die Körper seiner beiden Opfer ergießen.

Damit Du nicht glaubst, ich kenne nur Schrecken, Tod und Verderben, hier eine in meinen Augen intensive, romantische Szene aus meiner liebsten Filmsaga Star Wars. Zugegeben: Die Szene, in der Han Solo in Carbonit eingefroren wird ist an sich nicht besonders romantisch. Das Umfeld der Liebesbekundung von Lea und der Reaktion des Schmuggler-Raubeins sind jedoch so schurkenhaft, dass sie in diese Liste gehört. Ich bin ja nicht unempfänglich für Romantik und entsprechende Filme, aber dieser Moment aus Das Imperium Schlägt Zurück jagt wohl jeder Frau einen Schauer über den Rücken. Welche Mademoiselle möchte nicht in den Armen eines solchen Schufts liegen? 😉

Was sagst Du zu meiner Auswahl? Empfindest Du die Szenen auch so intensiv wie ich? Welche Szenen fehlen Dir? Welche Filme und welche Genres sind unterrepräsentiert?

Ähnliche Artikel

Filmfan, Musikliebhaber, schwäbischer Sith-Akolyth und Hypetrain-Lokführer.

2 Comments

  1. Bei dieser Auswahl ist mein Favorit die Schluss-Szene aus „Der Nebel“, gepaart mit dieser Musik muss es einem dabei einfach das Herz zerreissen..

    Ansonsten zählt da für mich auch noch dazu:

    „V wie Vendetta“: Als Evey aus ihrer Tortur „befreit“ wird und auf dem Dach weinend im Regen steht.

    „Mulholland Drive“: Einfach mal der ganze Film.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.