Influencer-Marketing VS Authentizität – Wie sich alle selbst im Wege stehen

Jüngst stellte sich heraus, was alle bereits zu wissen glaubten. PewDiePie hat schmutziges Publisher-Geld für eine positive Darstellung eines Spiels angenommen! Was ein offenes Geheimnis zu sein schien, mutiert (vielleicht) zum Skandal und lässt die ganze Riege sogenannter Influencer in einem schlechten Licht stehen. Doch das Problem ist irgendwie auch hausgemacht.

Influencer Marketing

Täglich schießen neue YouTube Kanäle wie Pilze aus dem Boden. Viele wollen es ihren Vorbildern wie besagtem PewDiePie gleichtun und möchten mit ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung (Gaming, Mode, Kosmetik, Handwerken, …) ein Millionenpublikum erreichen. Manche schaffen es sogar eine gewisse (Buzzwort-Alarm!) Reichweite aufzubauen. Diese zu vermarkten und das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden steht jedem frei und ist völlig wertfrei zu sehen. Der Aufwand, den die Mädels und Jungs in ihre Kanäle stecken ist teils immens und fordert viel Kreativität, handwerkliches Geschick und vor allem Zeit. Es ist jedem selbst überlassen, was er (oder sie) aus welchen Motiven macht, um ein paar (mehr) Ocken mitzunehmen, solange sie (schon wieder so ein Buzzword) ihre Authentizität bewahren.

Influencer Marketing – der Tanz auf Messers Schneide

Irgendwann erreichen diese Content Creatoren (geiles Wort!) einen kaum klar zu definierenden Schwellenwert, an dem sie für Firmen interessant werden. Diese Firmen können, wie im besagten Fall, Spiele-Publisher oder auch, wie in meinem Fall, Hardware-Hersteller sein, die, auf der Suche nach neuen Möglichkeiten direkt bei der Zielgruppe wahrgenommen zu werden, selbstverständlich auf diese Influencer zugehen.

„Ich habe hier ein ziemlich geiles Produkt. Hast Du Bock das mal zu testen?“

„Klar, sehr gerne! Ich mache ein ehrliches Review dazu. Kostet Dich 3.000 Euro.“

Und schon haben wir den Salat. Mal von der Tatsache abgesehen, dass sich YouTuber allzu gerne mal – vorsichtig ausgedrückt – verschätzen, wie viel Firmen so eine Reichweite wert sein kann, haben wir hier das Damoklesschwert über allen Beteiligten hängen: den schnöden Mammon.

„Wer Geld nimmt, ist käuflich“, heißt es da nicht nur aus der Community des YouTubers, sondern allzu schnell vor allem von außerhalb. Von Leuten, die, aus welchen Gründen auch immer, nichts mit dem Projekt an sich oder dem Konstrukt YouTube-Channel anfangen können. Und wer käuflich ist, kann nicht authentisch sein. So zumindest der Tenor. Eine moralische Pattsituation, da verständlicherweise nicht jeder YouTuber öffentlich Rechenschaft über seine Einnahmen ablegt oder Gefahr laufen will, „Marktpreise“ zu torpedieren. Und selbst wenn die Kanal-Betreiber deutlich darauf hinweisen, dass für die Erstellung des Videos Geld geflossen ist, bleibt man unten durch. Als YouTuber und als Firma, deren Produkt thematisiert wird. Denn mit rechten Dingen kann das dann ja nicht mehr zugehen!

Warum Zuschauer (oder andere) gerne scheinbar automatisch annehmen, dass die Bereitstellung eines Produktes automatisch mit dem Kauf eines guten Testergebnisses durch den Hersteller einhergeht, müssten wir bei Gelegenheit mal in einem eigenen Artikel untersuchen.

Was können Influencer tun?

Nun, wer Authentizität propagiert, muss sie auch vorleben. Soll heißen: Man sagt, was Sache ist – und hält sich gefälligst dran.
„Hallo, ich bin XY und habe Produkt Z von Firma SoUndSo bekommen, weil sie auf mich zugekommen sind und gefragt haben, ob ich das mal testen will. Da ich auf derartige Einnahmen angewiesen bin, will ich klarstellen, dass ich für die Erstellung dieses Videos Geld verlangt habe. Das ist auch schon alles. Ihr seht hier meine ehrliche Meinung zum Produkt. Meine Reichweite ist zwar unter bestimmten Bedingungen käuflich, meine Meinung jedoch nicht.“

So einfach kann es sein. Ob die Welt das dem YouTuber dann abnimmt, oder nicht, ist eine andere Frage. Aber wir wissen ja, dass man es ohnehin nicht jedem rechtmachen kann.
Nur wie PewDiePie sollte man es eben nicht machen… so tun, als sei man ehrlich, während man tatsächlich käuflich ist.

–Update:–

Rechtlich wäre so ein Hinweis anscheinend nicht ausreichend. Das steht natürlich auf einem anderen Blatt. Der text bezieht sich ja primär auf die allgemeine Rezeption und das Dilemma an sich.

–/Update–

TL;DR

Influencer haben das Recht ihre Reichweite zu vermarkten.

Die Vermarktung ihrer Reichweite stellt ihre Authentizität grundsätzlich infrage, selbst wenn für den Tenor des Contents nicht bezahlt wird.

Arbeit. Geld. Authentizität. Ehrlichkeit. Ein Teufelskreis.

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Filmfan, Musikliebhaber, schwäbischer Sith-Akolyth und Hypetrain-Lokführer.

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