Giganten der Technik: Wozu so große Smartphones und Geräte?

Früher war alles besser: Meine Schuhe mussten nicht gebunden werden, Katy Perry war noch nicht in Sicht und technischer Fortschritt brachte kompaktere Geräte hervor. Dieser Grundsatz galt über meine gesamte Jugendzeit hinweg. Die Kopfhörer der 80er verschwanden, während Ohrstöpsel die Welt eroberten und das neueste und trendigste Handy war kleiner als der abgelöste Platzhirsch. Doch irgendwann drehte sich dieser Grundsatz. Da stellt sich die Frage: Weshalb?

Vielleicht hat Größe ja etwas mit Coolness zu tun. Wer in den 80ern und frühen 90ern zu den Tough-Guys gehören wollte, gab sich nicht mit Kopfhörern ab, sondern trug eine Boom-Box auf den Schultern zur Schau. Vielleicht waren das ja die ersten Hipster der neuen vorstadtlichen Folklore. Die, die sich dem Trend widersetzten. Weil in den 80er Jahren Mode gekommene leichte Kopfhörer vielleicht antisozial gewertet wurden, während Minderheiten eigentlich weiter eine Einheit formen wollten. Jedenfalls stellten sich die früher als „Ghetto Blaster“ bekannten mobilen Tapedecks als wenig alltagstauglich beim Joggen, auf dem Fahrrad, beim Einkaufen und in der U-Bahn heraus und setzten sich im aufschwappenden Trend der Individualisierung nicht wirklich durch: Die Kopfhörer setzten ihren schon zuvor abzusehenden Siegeszug ein und waren spätestens mit der Markteinführung des Walkmans nicht mehr wegzudenken.

Von kleinen Stöpseln und großen Hosen

In meiner Jugend (irre, wie altklug das klingt) und Schulzeit in den 90er Jahren galten große, klobige Kopfhörer jedoch quasi schon immer als bäh. Wer unterwegs Musik hörte, musste Ohrstöpsel haben, um sich eine Chance auf Coolness zu bewahren. Während die Hosen aufgrund der Dominanz der HipHop- und Skate-Szene immer größer und weiter wurden, wurden die tragbaren Trommelfell-Reißer immer winziger, bis sie im Gehörgang zu verschwinden schienen.

Der selbe Trend war auch bei Mobiltelefonen zu beobachten. Während die ersten Modelle der Post-Koffer-Ära von Siemens (ja, die haben auch mal im Handy-Markt mitgemischt), Sony und Konkurrenz zunächst an Kühlschränke erinnerten, waren Modelle Ende der Neunziger und kurz darauf irgendwann (zumindest teilweise) wirklich winzig und passten in die Hemdtasche, sofern man eine hatte.

Das Smartphone war zunächst klein

Doch irgendwann nach dem Nokia Communicator und den ersten Blackberry- und HTC-Geräten auf Windows-Basis erblickten die Smartphones das Licht der Welt. Sagen wir einmal, dass die Markteinführung des ersten Apple iPhone den Startschuss setzte. Das hatte noch eine Bildschirmdiagonale von 3,5″. Winzig im Vergleich zu heute üblichen rund 5 – 6 Zoll, die heute die enger werdenden Hosentaschen der Nationen erobern. Klar, die smarten Dinger können auch immer mehr und sind immer schneller. Und Full HD – Auflösung braucht auch ein bisschen Platz, trotz inzwischen irrer (und kaum noch voneinander unterscheidbarer) Pixeldichten auf dieser Größe.

Giganten der Technik: Wozu so große Smartphones und Geräte?

Während bei Prozessoren moderne Fertigungstechnologien immer kleinere und effizientere Strukturen ermöglichen, Flash-Speicher auch nicht viel Platz braucht und auch Akkus immer kompakter werden, scheint dies nicht für die mobile Kommunikation zu gelten, die auf diesen Techniken basiert. Klar, manch einer braucht wirklich einen Giganten mit den Ausmaßen eines Galaxy Note [X] (bitte Zahl einsetzen) und viele surfen auch mobil irre viel und schätzen ein angenehm großes Display. Doch für mich ist die maximale Displaygröße erreicht, wenn ich mein Telefon nicht mehr problemlos einhändig bedienen kann.

Ich nenne ein Asus Padfone 2 mit 4,7 Zoll Diagonale mein Eigen (ja, solche Menschen gibt es wirklich!). Diese Größe ist auch irgendwie schon an der Grenze der Bedienbarkeit mit einer Hand angekommen – und das obwohl ich bei 1,80 Größe wirklich keine kleinen Hände habe. Denn oft genug fällt es mir schwer das Top-Menü vom oberen Bildschirmrand mit dem Daumen runter zu ziehen. Auch beim Surfen habe ich manches Mal Schwierigkeiten Menüzeilen bequem zu erreichen. Sehe ich mich momentan auf dem Smartphone-Markt um (und ignoriere Phablets komplett), fällt mir auf, dass aktuelle Top-Modelle gut und gern über 5″ groß sind. Müsste ich mich heute für ein neues Smartphone entscheiden, wüsste ich nicht, welches ich nehmen würde, denn die, die mir zusagen, sind allesamt zu groß. Gibt es denn keine Top-Modelle für geistige Rentner, wie mich? Irgendwann sind Mobiltelefone vielleicht wirklich so groß wie bei Trigger Happy TV…

Ähnliches gilt auch für die eingangs erwähnten Kopfhörer: Die werden auch wieder immer größer. Warum? Weil sie besseren Klang liefern als Ohrhörer? Jein. Zumindest nicht die in Mode gekommenen Trend-Modelle. Die klingen nämlich einfach scheiße und dürften eigentlich nur einen Bruchteil des Preises kosten. Noch mieser klingen die Ohr-Giganten wenn sie, wie so oft zu sehen, auf Wollmützen und dergleichen getragen werden. Auf. Nicht drunter auf den Ohren… Style um jeden Preis, was?

Ausblick in eine große Zukunft

Wie geht es weiter? Werden Smartphones bald so groß wie die aus der Mode gekommenen Netbooks, nur eben ohne Hardwaretastatur? Oder erleben wir die Renaissance der Boom-Box? Ich sollte mir den Namen Boom-Phone sichern…

Filmfan, Musikliebhaber, schwäbischer Sith-Akolyth und Hypetrain-Lokführer.

3 Comments

  1. Ich wüsste spontan auch wirklich nicht, für welches Smartphone ich mich aktuell entscheiden würde. Windows Phone ist raus (einfach sowas von unsexy und die Werbung mit der „OMG Schuhe“-Teenie-Tussie ist SO SCHLECHT, das muss argumentativ reichen), iOS ist mir zwar sympathisch, aber ich bin nicht bereit, diese Preise für 64GB iPhone-Modelle zu zahlen, und da bleibt eben (an Platzhirschen) nur noch Android.

    Und die aktuellen Android-Phones von Samsung, HTC und Co. jucken mich höchst wenig, weil zu groß, Qualität passt mir nicht, etc etc.

    Wirklich sympathisch wäre mir das Fairphone in Sachen Abmaße und genereller Gedanke dahinter, nur ist die Update-Policy sicherlich noch beschissener als bei Asus (was ja zugegebenermaßen kaum möglich ist).

    Also, was bleibt? Mit Android 4.1.1 auf dem Padfone 2 rumdümpeln. Na danke.

  2. @PANOPAIA Schau Dir mal das neue BB Passport an, wenn es am 24.09.2014 präsentiert wird. Da könnte das erste echte Comeback der Mobilbranche werden. Wenn du mehr auf Jäger, als auf Platzhirsche setzt, kannst Du das Gerät auch singulär betrachtet zulegen. Ich bin davon jedenfalls bislang beeindruckt. Falls es zu Phablet mäßig oder mit 599 zu hochpreisig ist, oder Du einfach keine Tastatur haben willst, kannst Du dir auch das Z30 aus gleichem HAuse angucken. Das neue OS 10 von Blackberry ist meiner Meinung nach das fortschrittlichste und Sicherste in der Komminukation überhaupt. Gruß

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.